Eisenbahntourismus

Eine spektakuläre Eisenbahnstrecke Südamerikas erlebt ihre Renaissance

Ein in Spanien gebauter luxuriöser Zug mit dem Namen „Tren Crucero“ (Kreuzfahrt-Zug) befördert seit Juni 2013 Passagiere von Guayaquil, Pazifikhafen und größte Stadt Ecuadors, hinauf in die Anden zu Ecuadors Hauptstadt Quito über eine Distanz von 447 km mit der höchsten Station auf 3609 m ü.M. Auf zwei Streckenabschnitten ziehen rekonstruierte Baldwin-Dampflokomotiven den Zug – eine der weltweit spektakulärsten Bahnreisen ist wieder möglich dank eines 283 Millionen US-Dollar (ca. 210 Millionen Euro) teuren Restaurationsprojekts für Ecuadors 1908 eröffnete Schmalspurbahn-Südstrecke („CAP-Spur“ mit Spurweite 3,5 feet = 1067 mm).

Seit den Wirtschaftskrisen der 1990-er-Jahre war der Bahnbetrieb infolge unterbliebener Unterhaltung und aufgrund etlicher Bergrutsche weitgehend eingestellt worden. Ohne die notwendigen Reparaturen konnten die Dampf- oder dieselelektrischen Lokomotiven die maroden Gleise nicht mehr befahren, so dass nur noch Schienenbusse auf einigen Teilstrecken verkehren konnten; Streckenabschnitte von insgesamt 250 km Länge waren gänzlich unbefahrbar.

Anlässlich des 100-jährigen Eisenbahnjubiläums 2008 verkündete der ecuadorianische Staatspräsident Raphael Correa den Rekonstruktionsplan für die komplette Südstrecke, ihre Bahnhöfe und das rollende Material.

Nach vierjährigen Rekonstruktionsarbeiten ist Ecuadors berühmte Eisenbahn-Südstrecke wieder komplett in Betrieb. Einige Dampf- und die meisten dieselelektrischen Lokomotiven und alte Wagen wurden repariert oder rekonstruiert und einige modernere Wagen aus Frankreich und Spanien hinzu gekauft.

Das ambitioniete Projekt ermöglicht wieder den 1994 eingestellten durchgehenden Zugverkehr zwischen dem Andenhochland und der Pazifikküste und stellt die Bahnverbindung wieder her zwischen der „Straße der Vulkane“ und dem berüchtigten „Nariz del Diablo“ genannten Felsmassiv, der Teufelsnase, mit einem der (im reinen Adhäsionsbetrieb) weltweit steilsten Streckenabschnitte, den man befahren kann. Um die Strecke vom Fuß der Anden hinauf zur „Straße der Vulkane“ (zwischen 2600 und 3600 m ü.M.) zu trassieren, konnte das Teufelsnasen-Massiv nur mittels Zickzack-Fahrt über Spitzkehren bewältigt werden.

In den nördlichen Anden bleibt die Strecke von Quito zum kleinen Seehafen San Lorenzo an der kolumbianischen Grenze zwar stillgelegt, aber ein 30 km langer landschaftlich reizvoller Streckenabschnitt von Ibarra, der Hauptstadt der Provinz Imbabura, nach Salinas wurde saniert und wird regelmäßig befahren. Auf dem Weg durch eine fantastische Gebirgslandschaft Richtung nördlicher Küste passiert der „Zug der Freiheit“ über tiefe Schluchten führende Bogen- und Gitterbrücken und durchfährt etliche Tunnel hinab in die einzige Hochlandregion, in der eine von afrikanischen Sklaven abstammende Bevölkerung lebt (die meisten Ecuadorianer afrikanischer Abstammung leben dagegen an der Pazifikküste).

Im Dezember 2014 konnte auch die rekonstruierte Strecke von Ibarra zur wegen ihrer Textilproduktion und ihrer Märkte beliebten Kleinstadt Otavalo wieder in Betrieb gehen genommen werden, so dass der „Zug der Freiheit“ bald schon ab Otavalo via Ibarra nach Salinas fahren wird (54 km).

Die Eisenbahn-Betriebsgesellschaft „Tren Ecuador“ bietet an Wochenenden und auch an weiteren Wochentagen Tages-Exkursionen an, die in den Bahnhöfen Quito Chimbacalle, Riobamba, Alausí und (Guayaquil-)Durán starten. Außerdem bietet Tren Ecuador vierzehntäglich viertägige Fahrten mit dem Tren Crucero auf der gesamten Südstrecke von Quito nach (Guayaquil-)Durán und zurück an. All diese Angebote enthalten touristische Begleitprogramme. Daneben gibt es kostengünstigere Fahrten ohne Begleitprogramm mit ebenfalls rekonstruierten Schienenbussen („Autoferros“).

Die wiedererstandene Eisenbahn dient der Tourismusentwicklung, und vor allem nahe der Bahnstrecke lebende Menschen dürfen durch sie auf wirtschaftlichen Aufschwung hoffen.

Nach einem erfolgreichen „Probelauf“ im Januar 2014 bietet Pakay Tours Kleingruppen-Rundreisen durch die drei Festlandesteile Ecuadors an unter größtmöglicher Einbeziehung der Eisenbahn. Pakay Tours hilft auch bei der (z.T. nicht ganz einfachen) Buchung von Bahnfahrten.